O-Beine (Varusknie): Ursachen, Beschwerden und Behandlung
Bei O-Beinen bleiben die Knie auseinander, wenn sich die Knöchel berühren. Bei Erwachsenen kann diese Achse die Innenseite des Knies zusätzlich belasten. Diese Seite erklärt, warum das wichtig ist, wie O-Beine untersucht werden und welche Behandlungen es gibt – von Übungen bis zur gelenkerhaltenden Umstellungsosteotomie (HTO).
Was sind O-Beine?
O-Beine, medizinisch Varusknie oder Genu varum, sind zwischen Hüfte und Knöchel nach außen gebogen. Stehen Sie mit geschlossenen Knöcheln, bleibt zwischen den Knien ein Abstand.
Bei Kleinkindern ist eine leichte Biegung normal und wächst sich meist aus. Diese Seite richtet sich an Jugendliche am Ende des Wachstums und an Erwachsene, bei denen sich die Achse nicht mehr von selbst korrigiert.
Warum die Beinachse für das Knie wichtig ist
Bei einem geraden Bein verläuft die Belastungslinie (mechanische Achse) von der Hüfte zum Knöchel nahe der Kniemitte. Bei O-Beinen verschiebt sie sich nach innen, sodass innerer Knorpel und Meniskus bei jedem Schritt mehr Körpergewicht tragen.
Mit der Zeit kann diese Mehrbelastung zum Knorpelverschleiß an der Innenseite des Knies beitragen, der medialen Kniearthrose (Gonarthrose). Der Verschleiß kann die O-Stellung wiederum verstärken.
Mögliche Ursachen
- Anlagebedingt, oft auf beiden Seiten
- Verschleiß der Knieinnenseite (mediale Arthrose)
- Verlust des Innenmeniskus nach Verletzung oder Operation
- Ein in O-Stellung verheilter Knochenbruch
- Erkrankungen im Kindesalter wie Morbus Blount oder Rachitis
- Lockere oder verletzte Bänder
Typische Beschwerden
- Schmerzen an der Knieinnenseite, besonders nach Gehen, Stehen oder Sport
- Schwellung oder Steifigkeit nach Belastung
- Kürzere Gehstrecke
- Sichtbare O-Stellung im Stehen
Manche Menschen mit O-Beinen haben keine Beschwerden. Über eine Behandlung wird nicht nach dem Aussehen entschieden, sondern nach Beschwerden, Messwerten und dem Zustand des Gelenks.
Wie O-Beine untersucht werden
Eine orthopädische Fachperson untersucht das Knie und das ganze Bein. Eine Ganzbeinaufnahme im Stehen zeigt die Belastungslinie und erlaubt es, die Winkel von Oberschenkel und Schienbein zu messen. So zeigt sich, wo die Fehlstellung liegt – oft im oberen Schienbein (Tibia).
Eine MRT kann den Zustand von Knorpel, Meniskus und Bändern zeigen. Zusammen bestimmen diese Befunde die Wahl der Behandlung und die Planung einer Korrektur.
Behandlungsmöglichkeiten
- Ohne Operation
- Gewichtsreduktion, Physiotherapie und Muskelkräftigung, angepasste Aktivität, Schmerztherapie, Einlagen oder eine entlastende Orthese können die Beschwerden lindern. Die Achse des Knochens verändern sie nicht.
- Umstellungsosteotomie (HTO)
- Liegt die O-Stellung im oberen Schienbein und lohnt sich der Erhalt des Gelenks, verändert eine hohe tibiale Umstellungsosteotomie den Winkel des Knochens und verlagert die Belastungslinie von der Knieinnenseite weg. Ihr eigenes Knie bleibt erhalten.
- UniPlasty
- UniPlasty ist eine schrittweise aufklappende HTO (Open Wedge): Die Korrektur erfolgt nach der Operation mit einem vorübergehenden Fixateur externe Schritt für Schritt und kann anhand von Röntgenaufnahmen im Stehen fein angepasst werden.
- Knieprothese
- Betrifft der Verschleiß das ganze Gelenk, kann eine Teil- oder Vollprothese besser geeignet sein.
Häufige Fragen
Lassen sich O-Beine bei Erwachsenen korrigieren?
Ja. Die Achse des Knochens lässt sich operativ mit einer Osteotomie korrigieren. Übungen und Einlagen können Beschwerden lindern, den Knochen aber nicht begradigen. Ob eine Korrektur sinnvoll ist, hängt von Ihren Beschwerden, den Messwerten und dem Zustand des Gelenks ab.
Führen O-Beine immer zu Arthrose?
Nein. Viele Menschen mit O-Beinen entwickeln nie nennenswerte Probleme. Die Mehrbelastung der Knieinnenseite erhöht das Risiko, besonders zusammen mit Faktoren wie Meniskusschäden, Übergewicht oder hoher Aktivität.
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